1 Groove, 100 Wörter

Moonk1d – Dunkle Bilder

„Meine Welt ist so anders / Emotionen verbrannt / Wie lange willst du mich nicht verstehen / Meine Welt ist so anders / Es ist noch nicht das Ende / Wir sind unendlich / Unendlich verliebt“

Die Melodie treibt von einen Chorus zum nächsten, mischt sich unter leise Beats und zu der weit weg klingenden Stimme von Moonk1d, die sich nach Verlust und Weltschmerz anfühlt. Still und heimlich baut sich ein Song auf, der von hin- und hergerissener Liebe, von Kälte und von glänzendem Gold erzählt und dabei aber nie seine Leichtigkeit verliert. Emotionen in der kalten Nacht zu ertränken, anstatt auf dem Sofa die vierte Staffel zum fünften Mal anzuschauen. Zwei Menschen treffen aufeinander, stolpern miteinander und träumen voneinander. Ein ausdauernder Tanz zwischen Nähe und Distanz, stets die schlechten Erinnerungen im Gewissen wie die guten im Gedächtnis.

She Danced Slowly – Toni

„Girl, what’s your story? / „I’m alright, I’m alright““

Ein pulsierender Beat. Pulsiert zwischen Nähe und Distanz, zwischen Fragen und Antworten, zwischen Lügen und Ehrlichkeit. Wird abgelöst durch die hauchdünne Stimme von Sänger und Gitarrist Oskar Brozek, die sich in Verzweiflung und Liebe verliert. Erleuchtete Skylines fliegen vorbei, während die ersten Sterne auftauchen. Eine Bitte, zwei Verse. Und „TONI.“ steckt mittendrin. Kann man sich vormerken, denn TONI wird auch in der kommenden EP auftauchen. Vielleicht dann auch nicht mehr still und heimlich im elektrisierten Refrain abtauchen. Der sich zwischen zwei Melodien nicht entscheiden kann, an Blumenranken hochklettert und sorgenlos auf dem höchsten Dach der Welt auf dem Rhythmus tanzt.

Tausend Trailer – Berliner Luft

„Der Bass vibriert in uns und wir treiben in dem Sound. Werden getragen von den Melodien und schaffen es immer, uns gegenseitig anzuziehn‘.“

Texte über kleine große Momente, Veränderungen und Fluchten in wohltuende Realitäten. Funkige Solo-Parts, eine dezente Untermalung des fordernden Alltags-Raps durch Instrumente, die an den richtigen Stellen die Spannung steigern – handgemachter Rap, der nicht von unzähligen aufeinander gestapelten Beats untermalt wird.

„Berliner Luft“ ist Opener der neuen EP „Sydney & New York“ der Band aus Köln und Düsseldorf und erzählt vom Vergessen der tristen Lebenswahrheit, vom Loslassen und von Leichtigkeit. Die Liebe des Lebens, der Einfluss des Pfefferminzlikörs und die Hauptstadt verschwimmen miteinander in Zeilen gespickt mit Wortspielen und Wertschätzungen gegenüber den Momenten, die so oft als selbstverständlich hingenommen werden.

kallisto – Optimisten

„Ich brenn‘ mit dir durch, ich halte dich fest, während die Welt auseinander fällt.“

Die deutsche Bahn hat mal wieder Verspätung und die Nachrichten sind genauso dunkel wie das Wetter. Nicht nur mit dem falschen Fuß, sondern auch mit falschen Vorstellungen aufgestanden. Aber irgendwo gibt es dann doch immer einen kleinen Hoffnungsschimmer, ein kleines Tüpfelchen Euphorie oder eine Melodie, die wieder Kraft schenkt. Genau darum geht es in „Optimisten“ des Duos kallisto.

Gesa Bocks und Daniel Schwingenheuer schaffen mit der Single im Ohr stecken bleibende Klänge und kleine Mutausbrüche, während der Sound an lange Fahrradtouren über huckelige Straßen unter blauem Himmel erinnert – die Sonnenbrille wackelt auf der Nase und der Geist fühlt sich frei.

[BAZU:KA]- HUSKY

„Lass es doch bleiben, wenn du nicht dafür gemacht bist, Husky.“

Der Song fängt harmlos an. Ungeduldig, vorfreudig. Im Musikvideo wird ein Geschenk überreicht und ein Lächeln ausgetauscht. Mehrere Szenen werden immer abwechselnd gezeigt. In der einen geht es um lauten, aggressiven Streit, in der nächsten um Liebe und Leichtigkeit. Entfremdung, Distanz. Die Stimmung explodiert im Moshpit, als im letzten Refrain Konzert-Mitschnitte gezeigt werden. Die Rede ist von „noch immer“, von gletscherblauen Augen und von Geschichten, die für die Ewigkeit bestimmt sind.

Aber auch von eingesperrte Erinnerungen, aufgegebene Träumen. Dargestellt durch laute Zeilen, lärmende Gitarren und zurechtgezerrte Phrasen. Den Kopf ans Zugfenster gelehnt, während die Landschaft langsam verschwimmt. Nachdenklich und befreit.

B104 – Panik

„Du stehst auf, hast keinen Bock. Und der Grund ist dein Job – also mach‘ doch bitte nur noch das, was dir gefällt und schreck‘ nicht gleich zurück, wenn irgendein Hund bellt.“

Energiegeladene Refrains, eine Melodie, die für langanhaltende Ohrwürmer sorgt und ein stetiges Soundgewirr. Die neue Single handelt von Stress, Unzufriedenheit und Panik davor, nicht gut genug zu sein. Nicht mit den anderen mithalten zu können, weniger zu verdienen und nicht mitreden zu können.

Doch mit aufmunterndem Sprechgesang und einer großen Portion Pop-Punk machen B104 Mut, malen Sonnenschein an triste Häuserwände, strecken dem Klassensystem grinsend die Zunge heraus und verlieren sich in ihrer Leidenschaft.

Das Leben ist zu gut, um Panik zu schieben – Sonnenschein, gute Freunde und laut aufgedrehte Musikboxen sind nur einige Gründe, für die es sich lohnt.

Kicker Dibs – Sterne oder Häuser

„Ich will endlich dahin, wo mein Traum anfing. Wo Häuser und Sterne, Lichter und Ferne ineinander verschwimmen.“

Augen zu. Ein befreiendes Mal ausatmen. Sommer, nackte Füße und Platz, soweit das Auge reicht. Fröhlichkeit, Freiheit und Fahrtwind. Zwei Körper, die immer wieder zueinander gezogen werden und sich lachend voneinander abstoßen. Fingerfarbe, Kreide und das billige Kratzeis aus dem Freibad. In blau. Schräge Sonnenbrillen und zuckende Mundwinkel. Umarmungen vertreiben Überbleibsel alter Erinnerungen.

Ängste und Sorgen fallen auf den Boden, werden ersetzt durch energiegeladenes Schlagzeug, euphorischen Gesang und elektrisierende Saiten. Der Tag verschwindet, macht der Nacht Platz und zwinkert verschwörerisch.

Anheizende Rufe von allen Seiten, lautes Gelächter, vor den weit aufgerissenen Augen verschwimmende Gesichter und Hoffnung, die alle Gedanken einnimmt.

Kyona – David gegen Goliath

„Die ganze Welt liegt mir zu Füßen, doch ich glaub‘ mir tun die Füße weh. Ich leg‘ sie hoch und beginn‘ meine Odyssee.“

Langsam wird der Hörer durch drängende Klaviermelodien, treibende Rhythmen auf dem Schlagzeug und eine kräftige Stimme in die Soundlandschaft geführt. Immer wieder wird die Melodie zurückgenommen, damit sich die kunstvoll gestalteten Zeilen lyrisch entfalten können, bis sich aufgebrachte Streicher unter die Instrumente mischen. Gefühle werden aufgewirbelt, Gedanken hin- und hergeworfen – der Song bietet eine Klanggewalt, von der sich auch die ganz großen mehrere Scheiben abschneiden sollten.

Im Musikvideo wird die Geschichte in Farbe gesetzt durch Verzweiflung und Rastlosigkeit – und am Ende bleibt dann die Einsicht. Alleine in einer riesigen Weite findet sich der Protagonist um seinen Atem ringend wieder.

Einsneunzig – Gar Nicht Mal So Schlecht

„Wenn du dich allein‘ fühlst bin ich bei dir, auch wenn du grad‘ nicht danach fragst.“

Die Band aus Marburg glänzt mit einer neuen Single und dem dazu passsenden Musikvideo, das durch Schwarzlicht in Szene gesetzte Partyimpressionen zeigt.

Der Dreh war eine Überraschung für Sänger Tim, was dem Ganzen den Eindruck einer wirklichen Party verleiht. Das Lachen auf den mit Farbe verzierten Gesichtern wirkt authentisch, die Story mitreißend.

Der Song erzählt die Geschichte vom Nicht-Gehört-Werden, den floskelbehafteten Erwartungen der Gesellschaft, vom Liegenbleiben und dem Hoffnungsschimmer, der trotzdem durchblitzt. Und dann, wenn die Kälte überwunden ist, öffnet sich das Herz für bessere Zeiten. Der Rhythmus lädt zum Tanzen ein, hinterlässt warme Gefühle und kribbelt in den Ohren.

Hi! Spencer – Von grau zu dir

„Ich möchte explodieren, schieß‘ mich hoch und dann halt‘ mich hier oben.“

Trist, grau und hoffnungslos. Dunkle Wolken ziehen sich zusammen über sonst tanzenden Gedanken und schnüren das Herz zu. Der Regen schüttet aus Strömen über den grauen Asphalt – doch in der kleinen Pfütze spiegelt die Sonne und offenbart einen kleinen Tupfer Freude.

Du machst die Welt wieder bunter, bringst Leben in den tristen Alltag und sorgst dafür, dass die eigenen vier Wände sich mit dir wieder nach Zuhause anfühlen. Mit dir ist alles leichter. Dein bunt schillernder Traumfänger vertreibt die grauen Gedanken.

Genau dieses Gefühl thematisieren Hi! Spencer, halten mit abwechslungsreichen musikalischen Details fest an hoffnungsvollen Zeilen und wärmenden Melodien.

OS – Einzigartig

„Es gibt immer wieder Leute, die sagen pass‘ dich an. Doch du bist einzigartig und nur darauf kommt es an“

Ein Fingerabdruck ziert das schlichte Cover. Leise beginnen die vorwurfsvollen Zeilen. Werden untermalt durch sanft gespielte Melodien und abgemischte Beats. Wassertropfen auf festem Untergrund, in der Spiegelung dein Gesicht.

Und dann der Refrain. Deine Geschichte, festgehalten in deinen eigenen vier Wänden und wer genau genug hinsieht, findet sie in deinen Augen. Du brauchst keinen Grund, um das Leben vollzukleistern mit bunter Farbe und deinem ansteckendem Lachen.

Träume, die verwirklicht werden können. Nicht durch den Druck der Gesellschaft. Aber in der Single ist die Welt für einige Minuten geflickt. Sehnsüchte und fehlende Selbstliebe werden übermalt mit aufmunternden Zeilen und herzerwärmenden Akkorden.

Jakob Muehleisen – You Conquered My Mind

„I want to spread forgiveness and forget you“

Zusammengeflickte Herzen, einsame Nächte und Sehnsucht. Sehnsucht nach Nähe, nach Freiheit und nach einer Insel in Argentinien. Mit gemütlichen Gitarrenklängen und seiner gefühlsvollen Stimme nimmt Jakob mit in eine Welt, die seine Erlebnisse des Jahres 2019 verarbeitet. Wie Honig zerfließen seine Gefühle über den sanften Melodien. Sind gefüllt mit süßer Hoffnung, aber auch zugleich mit zerreißenden Ängsten. Das Leitmotiv, die Liebe, bleibt aber trotzdem bestehen.

Seine Welt der Liebe ist gefüllt mit Metaphern und Sonnenschein, der sich in tiefen Pfützen spiegelt. Mit der Hoffnung auf die große Liebe und einem Herzen voll mit Emotionen. Der Refrain bleibt im Ohr hängen.

Laikka – Undertow

„The fears are pulling me down – Again and again and again.“

Endloses Fallen, inszeniert durch die eigenen Ängste und Zweifel. Gepaart mit der Machtlosigkeit, nichts an der Situation ändern zu können.

Gefangen unter hohen Baumkronen, die ihre Äste mahnend in den dunkeln Himmel strecken. Aber trotzdem wartet nach der nächsten Verzweigung ein kleiner See gefüllt mit klarem durch leichte Sonnenstrahlen reflektiertes Wasser. Zum Greifen nah und doch so fern – der Sog der eigenen Ängste zieht wieder zurück in den dunklen Wald der Gefühle.

Hauptsächlich überlassen Laikka den minimalistisch gewählten Lo-Fi Pop Instrumenten das Sprechen, die sich langsam aufbauen und an denen sich die leise und beruhigende Stimme von Moritz abstützt.

Laikka – Currents

„Perfection is a concept out of reach.“

Schwebend einfach beginnt der träumerische Song. Der eigene Puls verlangsamt sich, macht eine Verschnaufpause neben zurückhaltenden Gitarrenfäden und hallenden Synthesizerteppichen.

Gerät kurz ins Stocken durch das Einsetzen der Stimme von Sänger und Keyboarder Moritz, dessen Stimmfarbe so gut auf das Klanggerüst passt. Nicht mehr als ein sanfter Hauch.

Und das Beste: das Lied nimmt sich die Zeit, die es braucht. Langsam und gelassen. Aber trotzdem im Takt durch prägnante Trommelschläge. Nimmt sich 3:22 pure Prokrastination.

Der permanente Leistungsdruck fällt ab. Herzen so leicht, als bestünden sie aus Federn. Die Augen fallen zu, der Kopf eingehüllt von weißen Wolken aus Watte.

A Story For Reflection – Mr. Fantasy

„Oh Mister, Mister Fantasy. I will be what I will be.“

Eine Melodie, die sofort ins Ohr geht und sich dort ohne Scham grinsend einnistet. So startet „Mr. Fantasy“. Der leichte Song zieht sich weiter durch gesprochene Strophen, die das kapitalistische System repräsentieren und alle Träume in vorgeschriebene Formen quetschen wollen. Stets untermalt durch die frech-funkelnde Melodie.

Widersprochen wird den einschränkenden Strophen durch träumende Refrains, in denen eine sanfte Stimme den Hörer am kleinen Finger in eine weite Welt entführt und dort verlockend einfach Träume möglich malt, die zuvor klein geredet wurden. Mit den Füßen baumelnd und verwegen in die Ferne schauend. Weil wir alles erreichen können, was wir uns erträumen.

ZUSTRA – The Twinkling Of An Eye

„Water to wine and I forget where I have been.“

„The Twinkling Of An Eye“ beginnt ganz schlicht mit Percussion. Baut sich langsam auf, als Geräusche dazustoßen, die an Grillenzirpen erinnern und an eine verzerrte Version dessen, was als Refrain enden könnte.

Auf sanfte Melodien setzt sich noch eine sanftere Stimme, zerbrechlicher als das Gerüst, das sie umgibt. Zum Refrain hin gewinnt sie an Selbstvertrauen, singt sich umherschwebend ihren Weg durch einen Song, der so zurückhaltend wirkt und trotzdem so magisch, dass er nicht fassbar ist.

Erinnert an kalte Strömungen und eine Tiefe, die von ganz weit weg die Stimme der Sängerin Zustra zu sich zieht. An sanftes, schmerzloses Untergehen.

Nico Laska – Bye Bye

„I don’t like doctors, but they keep my heart beating. So they’re okay“

Eine Mischung aus Fahrtwindbrause, Nächten alleine zu Hause und Durchschnaufpause. Mit einem Hauch von deprimierenden Erlebnissen, denen Nico aber in „Bye Bye“ trotzig den Rücken zuwendet. Fortgerissen durch Wellen von Euphorie.

Musikalisch wechselt der Song trotzig und verspielt binnen von Sekunden von starken Refrains zu langsamen Melodien und abwechslungsreichen Instrumentals. Der Song nimmt eine Reise auf sich, die vielseitiger kaum sein könnte. Aber immer authentisch bleibt.

Das Musikvideo bildet die Kulisse wohl wirklich perfekt ab – ein Roadtrip mit Freunden an windige Strände, dichte Wälder und Pizzamomente. Gefüllt mit befreiendem Lachen, laue Nächte durchmachen und seine Sorgen hinter sich lassen.

Some Sprouts – She Longs For You

„You‘ve come undone, because you never really know. You never know where to run.“

2 Minuten und 55 Sekunden Sonnenschein. Eine kühle Brise Wind, die über verlorene Gedanken streicht. Mischt sich mit den heruntergefallenen Blättern, das nackten Zehenspitzen umspielt. Es knistert unter leichten Schritten. Blauglitzernder Klangteppich, gekrönt durch Farbtupfer der Gitarrenmelodien.

Some Sprouts fangen tropische Gefühle ein und vermischen diese mit verträumt verspielten Melodien. Das ständige Auf- und Abwippen der Zehenspitzen kombiniert mit dem Mundwinkel, der schüchtern lächelt. Überlaufende Farben, die sich in einem schwarzen Pott kontrastreich mischen und unruhig verlaufen. Frei sein, ohne zu wissen, was frei sein bedeutet.

Max Prosa – Zwei Menschen

„Die Geschichte könnte eben hier zu Ende sein. Aber irgendetwas bleibt in ihren Seelen, das sie immer zueinander treibt.“

Verträumt. Unverblümt ehrlich und immer weiter blühend an Gefühlen. Seine Stimme hangelt sich an schüchternen, verspielten Melodien entlang. Der weiße Farbtupfer aus einem Blumenkranz voller Emotion. Mal sanft, mal schwer durch die Last an heruntergeschluckten Gedanken.

Wie zwei gefangene Vögel, die ihre geschichtengeschmückten, glänzenden Flügel nicht ausbreiten können – bis zu dem Moment, in dem Max Prosa’s Stimme in den Refrain mündet. Seelen aneinander gebunden. Finden eine überraschende Befreiung, nachdem ihre zitternden Augen sich an die ehrlich blendende Melodie gewöhnt haben.