Sultans Court – Good Enough

„Good Enough“ ist ein Song für all diejenigen, für die das Leben manchmal einen Tick zu schnell ist. Die lieber auch noch den nächsten Wecker ignorieren, die in der letzten Sekunde wieder in die Sicherheit der eigenen vier Wände flüchten und die sich nicht einmal die Mühe machen, um zu schauen, von wem die verpassten Anrufe kommen. „Good Enough“ fängt diesen Charakterzug ein und verarbeitet ihn in trägen Klangsphären; macht sich keine Sorgen darum, mal einen Schritt weniger zu gehen und entschleunigt den Kopf mit jeder Minute mehr. Saugt die dunklen Gedanken in sich auf und ersetzt sie durch das Gefühl, doch vollkommen okay zu sein, trotz der ganzen Differenzen, um die man mit dem ganzen Universum ringt.

Sultans Court kennen dieses Gefühl der Trägheit und Überforderung nur zu gut – mitten in einer Schreibblockade kam dann plötzlich die Idee für „Good Enough“. Eingebung oder Zufall – aber auf jeden Fall das Zeichen dafür, das zu akzeptieren, was in einem schlummert. Weil sich aus dem inneren Wollknäuel der Ungewissheit doch ein Faden voller Fantasie lösen kann, wenn man nur beharrlich genug nach dem Anfang sucht.

Der Sound lässt ertrinken, zieht aber im Refrain mit dem kleinen Chor und den Sirenengeräuschen im Hintergrund wieder hoch. Nein, noch ist es zu früh zum Aufgeben. Fühlt sich an wie Tiefseetauchen im engen Neoprenanzug, der immer noch ein kleines Stück der Meereskälte an den Körper dringen lässt. Das lässige Schlagzeug kitzelt an den Zehenspitzen, lockt weiter in die Tiefe, wo farbenexplodierende Korallenriffe und eine funkige Melodie warten. Die nach dem schweren Thema so unverhofft daher kommt, dass man gar nichts machen kann, als kurz über den Wolken zu schweben. Dass man wie in einen Bann gezogen oben im Weltraum auf die Version seiner selbst starrt, die sich auf diese wundersam inspirierende Weise in den Tiefen des Meeres treiben lässt und von den Gitarren im Hintergrund begleitet wird. Die Melodie wird euphorischer, vor dem nächsten Refrain zieht ein kleiner Strudel nach oben. Lässt den Traum des auf den Wolken surfenden Astronauten zerplatzen, als der vom Neoprenanzug geschützte Körper wieder festen Boden unter den Füßen hat.

Vielleicht ist die einzige Option in diesem Moment, alle Gedanken beiseite zu schieben und stattdessen befreit auszuatmen. Alle Luft aus dem Brustkorb strömen zu lassen, die sich von aufrichtigen Gitarrenakkorden einnehmen lässt und einen euphorischen Tanz aufführt. Der kurz das innere Gleichgewicht durcheinander und das Herz zum Springen bringt. Der Keime der Hoffnung in die Brust pflanzt und das unverhoffte Gefühl, dass auch nach dutzend Niederschlägen alles wieder gut werden kann. Die Sirene mahnt im Hintergrund vor Rückschlägen, wird aber von der gedankenverlorenen Bassline verdrängt und hinterlässt schließlich ein seltsam beruhigendes Gefühl der Schwerelosigkeit.

Beitragsbild: (c) Jeanette Bear

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