Davon, sich selbst genug zu sein

Der herbe Schmerz einer bitteren Enttäuschung, Nachrichten, die sich wie kleine Speere ihren Weg durch das Herz bohren und aussichtslose Versuche, noch einmal von vorne zu beginnen. Den Kopf gedankenverloren an das Fenster des leeren Fotoalbums gelehnt, die Erinnerungen durch die Vergangenheit und die Hoffnungen durch die Gegenwart schweifend – all das rauscht in der Single „On My Own“ des Künstlers „Light and Rain“ vorbei. Zwischen melancholischen Gitarrenakkorden und einer vor Zuversicht erwärmten Stimme fokussiert sich die Single ganz auf das, was in der Realität hinter den Zeilen am wichtigsten ist und sich als nichts Geringeres als die Gegenwart herausstellt. Entfesselt von Enttäuschungen und befreit von Blockaden, die zwischenmenschliche Beziehungen neben all den auf den sozialen Medien hochglanzpolierten Glücksmomenten aufweisen, baut sich das Klanggerüst Takt für Takt auf und hüllt den Hörer ein in das warme Gefühl, sich selbst genug zu sein.

Seit 2016 tritt Jan-Eric mit seinem Singer-Songwriter-Projekt „Light and Rain“ deutschlandweit auf. Wenn man seine Musik in eine Schublade packen müsste, wäre das wohl definitiv die, aus der Klänge von Bands wie „The Lumineers“ tönen und die die Aufschrift Indie-Folk-Pop trägt. Auch Vorbilder wie „City and Colour“, aber auch Fragmente von „The Gaslight Anthem“ lassen sich im Sound wieder erkennen. Hinter den warmen Gitarrenakkorden versteckt sich aber noch viel mehr als das, was die Schublade hergeben will und so lassen sich auch Elemente des Folk-Punks heraushören. „On My Own“ ist dabei die zweite veröffentlichte Single, die einer 2020 veröffentlichten Live-EP folgt. Spannend bleibt, was dieses Jahr für Jan-Eric bereithält – hoffentlich zählen die Bühnen des Landes auch dazu, denn selbst die Umbaupausen vermisse er neben dem magischen Moment, sich komplett im Spielen zu verlieren inzwischen.

Für Jan-Eric geht es in seiner neuen Single nicht nur darum, den ewigen Kreislauf toxischer Freundschaften zu durchbrechen, sondern auch darum, auf die inneren Bedürfnisse zu hören und sich auch mal um sich selbst zu kümmern. Zwischen den Rahmen des dynamischen Klanggerüsts verstecken sich schüchtern seine eigenen Erfahrungen, die er in „On My Own“ sowohl verarbeitet als auch von sich wegstößt und somit auch in seiner Intensität die vorhergehende, minimalistischere und ruhigere Single „A Digital Screen“ ablöst. Tatsächlich brauchte es nur einen Tag, um das Arrangement für die Single in Zusammenarbeit mit seinen Freunden Patrick und Lukas im Studio aus einer groben Skizze zu entwickeln.

Auch ein Musikvideo gibt es zu der Single, das für Jan-Eric die Dynamik des Songs durch explodierende Feuerwerke und farbenfroh projizierte Bilder untermalt. Die Videos, die dabei über sein Gesicht und die Leinwand hinter ihm flimmern, sammelten sich im Zuge vieler verschiedener Reisen an und verkörpern so für den Künstler eine neue Ebene der Kreativität, indem neben den Lyrics auch im Video persönliche Erinnerungen verarbeitet werden.

„Bei der Planung des Singlereleases dachte ich zunächst, ich könnte ein paar der Videos für Teaser-Trailer verwenden und am Ende wurde es dann doch ein ganzes Musikvideo. Ich finde, es ist eine schöne Möglichkeit nochmal etwas Persönliches von mir auf einer anderen Ebene zu transportieren und das ganze Material für etwas Kreatives zu verwenden.“

Beitragsbild: (c) Martin Müller (analogweekend)

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