Lauf davon – Danger Dan

Flixbushaltestelle. Linie Bremen – Amsterdam. Schuhe knirschen über fallen gelassenes Laub. Kopfhörer auf, Releaseradar auf Shuffle. Es gibt Songs, die holen dich direkt ab, packen dich in die zweite Reihe auf Sitz C und schicken dich auf eine Reise in die Irrwelten deiner Gedanken. „Lauf davon“ ist wohl einer davon. Danger Dan besingt das Loslassen, das Fliehen und das Gefühl, ständig auf der Reise zu sein, weil irgendwo ankommen auf Dauer genauso schmerzhaft ist wie ein wehleidiges Bad in Abschiedsschmerz. Mir geht es aber auch noch um das, was sich hinter den Kulissen der Zeilen abspielt. Um die sehnsuchtsvollen Klavierklänge, die leise nachhallen und mal leiser und mal beseelter angespielt werden. Die ein kleines bisschen Meeresrauschen und Muschelsammeln in den Kopf pflanzen, zwischen sich fast schon bedrohlich aufbauenden Akkorden verstecken und schließlich in ihrem Hall wieder einsammeln. Mehr braucht der Song auch gar nicht, damit kleine Blüten zarter Hoffnung das Licht der Welt und die Augen die nächste Haltestelle erblicken. Rastlos, aber nicht ruhelos – die zwischen Melancholie und Zuversicht schwankende Stimme erzählt von schmerzhaften Erinnerungen und der stechenden Frage nach dem, was mensch einmal werden will. Ja, aber später? Ja, aber kann man davon leben? Ja, aber was willst du denn wirklich? Nervöses Lachen, Schulterzucken. Und das trotzige Kind im Inneren kommt wieder zum Vorschein. Muss es denn wirklich immer nach dem gleichen Raster laufen? Augen auf, umziehen, Brote schmieren, arbeiten, gezwungenes Lächeln inmitten fremder Gesichter mit denen man bis auf den sperrigen Titel „Arbeitskollegen“ nichts gemeinsam hat, Nach-Hause-Weg, Feierabend-Melancholie, ins ersehnte Bett fallen, Augen zu. Nein, Danger Dan verspricht anderes. Verspricht prickelnde Aufregung statt verstaubter Routine, neue Lebenssichtweisen statt Alltagsschwermut. Erzählt eine kleine Geschichte eingepackt in den sanften Chor, der mal lauter wird und sonst für den Rest des Songs schweigt. „Lauf davon“ gefüllt von drängender Dramaturgie, aber trotzdem verziert mit einem zärtlichen Auf-die-Schulter-klopfen. Hey, alles wird gut. Hey, es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß. Hey, hier weiß niemand, was richtig ist. Das hier ist nur ein weiterer Lebensentwurf, beschrieben quer über kleinkariertem Papier. Es liegt an dir, ob du aus ihm einen Papierflieger bastelst, einen Schnipsel als tägliche Erinnerung in deiner Handyhülle aufbewahrst oder ihn als Wegweiser über deinem Bett einrahmst. Es liegt an dir, ob du davon laufen oder dich im Kreis drehen willst und vor allem liegt es an dir, deinen eigenen Rhythmus zu finden.

Beitragsbild: https://www.facebook.com/initiativemusik/photos/t.100047145606051/1823701924354937/?type=3

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