Cabriolet – die mode

Sanfte Töne setzen ein und meine erste Assoziation ist „schwimmen“, bevor Sänger Maximilian das Wort überhaupt in den Mund nimmt. Die Synthie-Loop, aus Spaß während einer Zigarettenpause von Produzent Justus zusammengebastelt, trägt den ganzen Song. 15 Minuten nur hat die Produktion gedauert für einen Sound, in dem man stundenlang versinken kann. Der Klangteppich ist sanft gestrickt, mit Großmutters Wolle aus der Dose, in der enttäuschenderweise doch keine Kekse sind. Kleine Details verzieren die verschwommenen Ränder im Augenwinkel, zeigen, dass der Blick nicht nur immer stur geradeaus gehen sollte. Dass sich stattdessen das Weitwinkel-Objektiv doch mehr lohnt, um all die kleinen, wunderbaren Facetten des Lebens genießen zu können. Um sich immer und immer wieder neu verlieben zu können. Babyblau gemischt mit pastellrosa, eine sich immer wiederholende Melodie geschmückt mit sanften Schwenkern. Handgemachte Sounds und handverlesene Stimmung. Schwimmen, aber nicht untergehen. Ein leichtes treiben lassen auf dem Rücken, Gedanken leer, Himmel voll. Voll mit wattebauschigen Wolken, mit weißen Flugzeugspuren und mit Vogelschwärmen, die langsam wieder zurück in ihre Heimat kehren. Die an die Zeit erinnern, in der sie noch gezeichnet wurden wie schwarze Wellen und in der die Sonne aus der Ecke stets verschmitzt grinste. Ihre Strahlen sind immer noch da und tauchen den Song in ein warmes Licht. Lachen dem Wassertreiber durch die Baumkronen zu, füllen die gedankenverloren gesungenen Zeilen mit Zuversicht.

Abseits von dem Lärm der nie schlafenden Stadt, dem Auspuffgestank und der gestressten Hektik findet der Song seinen Ruhepol, kann sich zurücknehmen und entspannen auf der Rückbank des von den Eltern übernommenen Gebrauchtwagens. Der TÜV ist genauso wie die Chips im Kofferraum fast abgelaufen, während auf dem Armaturenbrett ein kleiner grüner Kaktus fröhlich im Takt der Sonnenstrahlen hin und her wippt. Im Herbst 2019 entstanden sei der Song schon immer die liebste Demo des Duos, das erst seit Februar 2021 Musik veröffentlicht. Herbstgefühle mischen sich mit Angst, Hoffnung, Freude, Stress, aber sind vor allem Vorfreude auf die Veröffentlichung der ersten EP „Erste Etage“. Die Beifahrertür geht nicht mehr ganz zu, aber das Fenster dafür umso weiter auf. Haare wehen im Fahrtwind, wenn unendliche Landschaften vorbeiziehen und Ortsschilder immer weiter in die Ferne rücken. Mit jedem weiteren Loop werden die Schultern leichter, die Augen schwerer und der Bauch voller. Die Saftschorle kribbelt, das Aux-Kabel knistert. Flaschen klirren aneinander, Hände finden zueinander, Herzen tanzen miteinander. Ein Tag, der nie zu enden scheint und der offen ist für neue Überraschungen, für Abtauchen, für Loslassen, für Freiheit, die sich so ungern beschreiben lässt, aber doch dann genau das ist, was 2 Minuten und 57 Sekunden „Cabriolet“ schenken wollen – „Uns versetzt das Lied in einen tagträumerischen Zustand, voller Begehren nach Vergangenem und voller kindlicher Vorfreude auf alles, was die Zukunft noch bringen wird.“

Beitragsbild: (c) @andieriekstina / https://riekstina.com

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