Konzertberichte

Ausgelassene Stimmung beim größten Open Air Event derzeit

Bonn Live präsentiert mit dem Kulturgarten momentan das größte deutsche Open Air Event in der Rheinaue in Bonn – und Steffi und Verena waren live dabei. Mit Songs wie „All We Had“ und „They Say“ der aktuellen, erst kürzlich erschienen Platte „GONE“ reißt der Voract Nico Laska wohl einige in seinen Bann. Die Musik klingt elektronischer als man es von ihm gewohnt ist – passend zu dem Duo Glasperlenspiel, deren Setlist einen bunten Mix aus alten, teils sehr bekannten Songs, aber auch neuen, eher unbekannteren Songs hergibt.

Weltliebe, Sonnenuntergangsromantik und Paralleluniversen

Giant Rooks schaffen es, ihre Fans auch auf Picknickdecken zu erreichen. Liebevoll erstreckt sich über das Open Air Gelände der Rinne Dresden ein Flickneteppich aus Picknickdecken, der durch grinsende Gesichter zusammen gehalten wird. Und dann setzt die Musik ein und auf einmal ist die Welt wieder heile. Einzelteile werden zusammengeflickt und mit einer großen Rolle Panzertape aneinander geklebt, bis der erste Song Form annimmt und die verschiedenen Instrumente sich auf- und übereinander legen. In dem Moment, in dem Frederik anfängt zu singen, scheint es kurz so, als würde der ganze Platz die Luft anhalten – nur, um sie dann Sekunden später in kleinen Rufen der Euphorie wieder auszuatmen.

Freudentränen, Fanclubs und Freiheit

Weiße Wimpel ziehen sich von der Bühne bis zum Essensstand und in Grüppchen angeordnete Holzstühle werden zurechtgerückt, als Kim Blome die Bühne betritt. Sie weiß ihre Stimme einzusetzen und das Publikum zu begeistern, über ihre eigenen Songs zu lachen und kleine Anekdoten zu erzählen. Ein kleiner Fanclub unterstützt die Oldenburger Musikerin durch Zurufe und lautem Applaus – und wird nach dem Konzert sicherlich noch größer werden. Zwischen den im Wind wehenden Wimpeln und der sich drehenden Diskokugel vor dem DJ Pult packen Toni Trash aus Osnabrück einen Koffer voller kunstvoll arrangierten und in düsteren Phrasen versteckten gesellschaftskritischen Zeilen mit tosendem Lärm aus. Unterstützt werden sie dabei von einem dynamischen Soundgerüst und einer faszinierenden Leichtigkeit, die düstere Themen umschreibt. Nach Toni Trash geht es dann mit einer großen Portion Euphorie weiter, die sich als Madelyn’s Gun entpuppt. Die Oldenburger Band bringt auf Gedanken, die bereits wieder in Clubs und auf ausverkauften Festivals tanzen. Die Stimme von Sänger Luuk schallt mal laut und mal leise über das Gelände schallt und zwischendurch aber auch Platz macht – Platz für brillante Gitarrensoli, die das Publikum zum Jubeln und die Saiten nur so zum Schwingen bringen.

Von Picknickdeckenverbündeten, Antiseebärenkreisen und der Kraft von Musik

An die 200 Besucher überqueren mit bunten Picknickdecken unter dem Arm und ausgedruckten Tickets in der Hand den Auricher Hafen, um zu einem Wiesenstück auf der anderen Seite zu gelangen. Hier soll heute das „Picknick Konzert Aurich“ stattfinden, bei dem sich Janosh, Dry Dudes und Hi! Spencer das Mikrofon reichen. Janosh klingen nach Unendlichkeit und nach dem Sprung in den See mitten in der Nacht im Winter. Nach guten Zeiten und noch schöneren Gefühlen, nach einem Kopf, der voller Gedanken platzt und dann einen Ausgleich in der Musik findet. Nach einer wirklich kurzen Umbaupause stehen die Dry Dudes auf der Bühne. Zwar ohne Band, aber dafür passt das Akustikset der beiden Künstler umso mehr in das Picknicksetting mit Hafen und Sonnenuntergang im Hintergrund. Die beiden laden mit gefühlvollem Indie, liebevoll gegriffenen Gitarrenakkorden und schwebenden Stimmen ein, den Abend zu genießen und alles andere hinten anzustellen. Hinten anstellen muss die nächste Band Hi! Spencer sich nicht – ja, mit diesen fünf Musikern auf der Bühne fühlt man sich definitiv wie angekommen und ich bin mehr als begeistert von dem Gemeinschaftsgefühl, das sich mit jedem Song weiter aufbaut. Gegenseitiges Zugrinsen, lauter Applaus und warmer Gesang im Ohr sind dabei nur wenige der Gefühle, die im Laufe der Livestreamkonzerte immer wieder vermisst worden sind und nun hier Herzen höher schlagen und Mundwinkel nach oben ziehen lassen. Und zwischen Frühlingsmüdigkeit und Alltagsschwermut kommt irgendwann hinter den Baumkronen auch der Sommer hervorgekrochen, angelockt von hallenden Gitarrenklängen, klitzekleinen, aber dafür umso mitreißenderen Solis und den über den ganzen Platz schwebenden Stimmen der Künstler auf und der Zuschauer vor der Bühne. 

Ein Meer aus Warnblinkern

Dazzle eröffnet zusammen mit Haxan und Kratzmeister Kalle den Abend und sorgt für erste kleine Hupkonzerte. Statt auf den frauenverachtenden Rap-Mainstream-Zug aufzuspringen, nutzt er seine schnelle Zunge für gesellschaftskritische Aussagen versehen mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus. Was offensichtlich wie die Faust auf das Auge zu der Musik von Alligatoah passt, der wenig später die Bühne betritt und in einem sehr ausführlichen Set seine Diskografie bespielt, Witze über die Situation reißt, Autos zum Blinken und Fans zum Schmelzen bringt. Der Musiker ist eine Kunst für sich und schafft es so gut wie kaum ein anderer, durch das ganze Set einen roten Faden zu ziehen und alle Songs durch unterhaltsame Comedy miteinander zu verknüpfen. Auch wenn ich nie Fan von dem Konzept „Autokino“ war, kann sich das SEAT Cruise Inn durchaus beweisen: Besonders komfortabel durch unzählige Gestaltungsmöglichkeiten in der Essens- und Kleidungsauswahl und dem ganz persönlichen Moshpit im Auto wirkt das Konzerterlebnis an sich noch eine ganze Spur intimer.

Harmonie und Hoffnung statt Bierdusche und Beinbruch

Die Veranstalter des Juicy Beats Festival haben den Festivalsommer noch nicht über den Haufen geworfen und kurzerhand eine Kulturreihe auf die Beine gestellt, die 350 Zuschauer, Live-Musik und ein sicheres Hygienekonzept zulässt. Walking On Rivers machten am 10. Juli den musikalischen Auftakt und schaffen es, dass sich der Abend anfühlt wie das zufällige Wiedersehen eines Freundes, der vor vielen Jahren weggezogen ist und nun doch unverhofft vor der eigenen Haustür steht. Mit einer Rose in der Hand und einem Kasten Bier versteckt hinter dem fröhlich bedrucktem Shirt.

Wie ein Feuerwerk

Mit Schmetterlingen im Bauch und der Vorfreude auf laute Musik machten sich Verena und Natalie nach Monaten ohne Live-Musik auf den Weg zu Wincent Weiss in der LANXESS arena. Hinter Plexiglasscheiben herrschte trotzdem eine einzigartige Stimmung, die Fabian Wegerer als Voract ordentlich anheizen konnte. Wincent Weiss lief und sprang voller Freude und mit einer unglaublichen Power über die Bühne, untermalt von einer faszinierenden Lichtshow. Mit einem lauten Applaus verließ Wincent Weiss viel zu früh die Bühne. Das Konzert ging gefühlt super schnell vorbei und es tat so gut – Wincent Weiss hat gezeigt, dass Konzerte in einer Pandemie möglich sind und somit vielen Künstler*innen den Weg geebnet, wieder Konzerte spielen zu können. 

Mit Glitzer überzogene Gesellschaftskritik

Blond, 29. Februar 2020, Kulturzentrum Lagerhaus Bremen. Bird Berlin eröffnet den Abend mit ekstasischer Erotik und Glitzer, den er sich unter Jubel des Publikums auf die nackte Brust schmiert. Passend dazu starten Blond ihr Set mit „Las Vegas Glamour“, Scherzen und durchdachten Outfits. Authentische, mit Sarkasmus durchwobene Texte bringen das Publikum zum Tanzen. Blond strecken den verzierten Zeigefinger aus, der aus allen Schubladen herausragt. Ohne jegliche Zurückhaltung lösen sich Blond aus den Fesseln der Tabu-Themen und singen offen und ehrlich über Menstruation, Mansplaining und Dating-Apps. Der Anspruch ist dabei so hoch, dass sich Blond zwei Tänzer und drei Backgroundsängerinnen eingeladen haben, die zum großen Finale sich lachend in den Armen liegen. Und das Publikum? Das ist das Beste, dass ich innerhalb von 20 Konzerten in Bremen erleben durfte. Daran ist wohl nicht „Thorsten“, aber der „Martini Sprite“, den das Chemnitzer Trio symbolisch mitgebracht hat, Schuld… Weiterlesen→

Pilotenbrille aufgesetzt und Arme ausgestreckt

Drens, 21. Januar 2020, Karatekeller Molotow Hamburg. Um kurz vor eins geht es los, das Publikum ist betrunken vom Rausch der Depri Disco oben. Sommer in Pappbechern, Spiegelei-Socken und der Moshpit und später eine ordentliche Wall Of Death wirbeln das Publikum durcheinander. Laute Klänge gehen Hand in Hand mit leisen Träumen. Die Stimmung ist am Explodieren und der Körper am Schwitzen… Weiterlesen→

When Satellites Exploded

Mount Winslow, 10. Januar 2020, Die Flänzburch Oldenburg. Die Welt steht still, ist Herbst und Frühling gleichzeitig und in mir lodert ein Feuer. Für eine Band, die ich gerade mal seit einer Stunde kenne. Die mir aber trotzdem zeigen, warum Live-Musik es wert ist, immer wieder aus dem Bett aufzustehen und sich auf neue Abenteuer einzulassen. Davon zu fliegen und gleichzeitig im Moment gefangen zu sein. Die Zeile We shall overcome legt sich um mein Herz und leistet den Glühwürmchen in meinem Bauch Gesellschaft… Weiterlesen→

Warmes Licht und euphorisches Geschrammel

Maffai, 30. Oktober 2019, Horner Eck Bremen. Auf „Alpha Zen“ Tour. In den immer wiederkehrenden Akkordabfolgen kann man sich mit Leichtigkeit verlieren, die Gesichter glänzen vor lauter Tatendrang. Abwechselnd erklingen wortgewandte Zeilen aus verschiedenen Mündern, stacheln sich gegenseitig an und bauen aufeinander auf. Harte und weiche Zeilen, die in harmlose Wortspiele verpackt sind und zum Nachdenken anregen sollen… Weiterlesen→

Grenzen verschwimmen, Gefühle bestimmen

Youth Okay, 11. Oktober 2019, Astra Stube Hamburg. Auf „Turns“ Tour. Den Abend eröffnen Hobo Thirteen. Meisterhaft gelöste Probleme, Premieren und Experimente. Groovig, basslastig und energiegeladen. Dann, Youth Okay. Ohne Vorwarnung energiegeladen und fordernd-verloren, hervorragend umgesetzter Alternative Rock BrassFX. Mal etwas anderes und trotzdem genau das, was ich gebraucht habe… Weiterlesen→

Feuer gefangene Glücksgefühle

Catapults, 27. September 2019, UmBauBar Oldenburg. Auf „Greyscale“ Tour. Eingeladen wurde die Frankfurter Band Apart From Us. Im Moshpit wird das Eis gebrochen. Muntere Pop-Punk Klänge, unterstützt durch euphorischen Gesang. Dann, Catapults. Festgebranntes Lächeln auf den Gesichtern der mehr als textsicheren Besuchern. Beflügelt, euphorisch und voller Glücksgefühle. Eine „Hometown Show“ vom Feinsten… Weiterlesen→

Verzauberte Tropenatmosphäre

Beatenberg, 11. Juni 2019, Tau Bremen. Tropisch klingende Popmusik aus Südarfrika, nimmt mich mit auf eine Reise durch bisher unbekannte und divers schöne Landschaften. Die liebste Crowd, die man sich auf einen Mittwoch wünschen können… Weiterlesen→

Nebelfäden und Klangfetzen

Kind Kaputt, 17. Mai 2019, UmBauBar Oldenburg. Auf „Zerfall“ Tour. Begleitet durch Donnokov. Entschlossen verlorene Gesichter, gepaart mit dominierenden Klängen. Ein schweres Gerüst verziert durch leichte Melodien. Dann, Kind Kaputt. Wabernder Nebel legt sich auf tiefe Gedanken, bildet ein schwebendes Gemisch aus Nebelfäden und Klangfetzen. Der Aufruf dazu, sich mit der immer wieder verdrängten Tiefe unseres Seins zu beschäftigen… Weiterlesen→

Die Diskokugel an der Decke

Hi!Spencer, 13. April 2019, Kulturzentrum Lagerhaus Bremen. Auf „Raus und weiter“ Tour. Als Support füllt der verlorene, eingängige Sound der Band Portmonee den Raum. In einer Popcornmaschine tanzende Gefühle, in Watte gewebte Gedanken. Dann, Hi!Spencer. Worte sind überflüssig, so lange die Stimmen aus den Mikrofonen und aus den Instrumenten die Luft erhitzen. Nebelverschluckte geplatze Träume, der Seele entfliehende Texte und ein wohliges Lächeln auf den Lippen. Momente, die auf keiner Polaroid Kamera der Welt festgehalten werden können… Weiterlesen→

Glitzer, Glamour und Drangsal

Drangsal, 11. April 2019, Kulturzentrum Schlachthof Bremen. Auf „Zores“ Tour. „Hallo, ich bin Mia Morgan aus dem Internet“. Geschmückt mit glänzender Verspieltheit, Authentizität und Selbstsicherheit. Dann, Drangsal. Rot-blauer-Glitzer, gehobene Arroganz und von der Decke triefender Sarkasmus. Marionetten der Musik, sich im Kopf einbrennende Lichteffekte und im Mittelpunkt Max Gruber… Weiterlesen→

Warum Leoniden Shows besser sind als jede Sportstunde

Leoniden, 06. März 2019, Kulturetage Oldenburg. Auf „Kids Will Unite“ Tour. Die erste halbe Stunde wird von Mia Morgan präsentiert, die alleine mit ihrer Gitarre auf der Bühne steht. Mut und Selbstsicherheit geschmückt mit Glitzer und Tagträumerei. Dann, Leoniden. Und die Bühne explodiert vor energiegeladener Euphorie. Hunderte Kehlen singen aus voller Überzeugung, hunderte Körper stürzen in die Wogen der aufbrandenden Moshpits… Weiterlesen→

Sommer in kalten Februarnächten

Faakmarwin, 15. Februar, Tower Musikclub Bremen. Zur Feier der Single „Ich kann’s nicht mehr hören“. Farbenfrohes, aber auch melancholisches Repertoire, inszeniert durch Cellisten Friedemann Eich und Singer/Songwriter Christian Falk. Dann, Faakmarwin. Eingängige Texte, euphorische Melodien sorgen für eine Überdosis an guter Laune. Ein bunter Farbenregen aus Fantasie, wohlige Gemeinschaftsgefühle und möglich gemalte Träume schweben umher… Weiterlesen→

Mit geschlossenen Augen und geöffnetem Herzen

AnnenMayKantereit, 13. Februar 2019, Kulturzentrum Schlachthof Bremen. Auf „Schlagschatten“ Tour. Mit Herz und Verstand steht Alli Neumann auf der Bühne. Aufmüpfig, aber auch fröhlich und gelassen. Dann, AnnenMayKantereit. Am Besten genießbar mit geschlossenen Augen und geöffnetem Herzen. Tanzen, Singen, Lachen, in schwebenden Gefühlen einkuscheln. „Sowas kriegst du aus dem Herzen nicht mehr raus“ ist wohl die passendste Beschreibung des Abends… Weiterlesen→

Schmerzverzerrte Gesichter und hochschlagende Herzen

Fjørt, 26. Januar 2019, Kulturzentrum Schlachthof Bremen. Auf „Südwärts“ Tour. In ihrer eigenen Welt gefangen eröffnen Yellowknife den Abend. Das Trio erlebt den Abend auf seine eigene Art und Weise – energiegeladen herumhüpfend oder sehnsuchtsvoll verloren. Dann, Fjørt. Das Publikum steht unter einem unbändigen, sich immer weiter aufladenden Strom, gefangen im Sog der sich ruckartig bewegenden Körper. Kraftvoll wird Nazis Paroli geboten, alle Energie gebündelt und sich zusammen die Seele aus dem Leib geschrieen… Weiterlesen→