Reviews

Auf hohen Bergen tanzend und in tiefe Abgründe fallend

Wenn man Melancholie einfangen und in Frequenzen verpacken will, würde dabei vermutlich ein Sound entstehen, der genau so klingt wie „Pictures“ des schottischen Singer/Songwriters Christy. Das, was einmal das Zimmer mit Leben gefüllt hat, wird nie wieder so sein. Und diese Erkenntnis schmerzt, sticht kleine Messer in das in Sehnsucht ertränkte Herz und wird begleitet von den sanft gespielten Klavierklängen. Die so aufgenommen wurden, dass man jedes Aufdrücken spürt und die kleinen Verzierungen, die das Filz hinterlässt. In meiner Vorstellung ist es rot und so alt, dass die goldene Inschrift ihre Farbe verliert.

Tom Taschenmesser – Meine Schwestern

Brutal, schonungslos, den ausgestreckten Finger direkt in die klaffende Wunde der deutschen Tabuthemen gedrückt. Von der inszenierten Harmonie bleibt nichts mehr übrig, nachdem Tom Taschenmesser sie mit einem selbstgefälligen Grinsen überfahren hat.

Verlassene Sandstrände und kurvenreiche Serpentinen

Shelter Boy tanzt mit Retro-Vibes, lädt sie auf einen Kaffee ein und verziert sie mit einem zwischen den Zeilen funkenden Groove. Wünscht sich die Nähe einer anderen Person, die ihm ein Pflaster auf nur langsam verheilende Narben klebt und beruhigend die Hand hält, wenn das Herz droht, in dem Labyrinth der Gedanken verloren zu gehen und sich hinter eisigen Gittern zu verstecken.

In der Hoffnung anzukommen

Detailverliebt erzählt MOA mit seinem Debüt-Album „an/aus“ vom Scheitern und von Herzschmerz, aber auch vom Wiederaufstehen und Zweisamkeit. Liebevoll hat er Zeilen aneinander gereimt, die von Erlebnissen zwischen Tür und Angel, zwischen Herz und Verstand und zwischen Gefühlsausbrüchen und Stille erzählen. Seine ungewöhnliche Art, Geschichten zu erzählen zieht an – es geht nicht um die Schlösser am Kölner Dom, die beide Initialen tragen und mit frisch verliebten Blicken aufgehängt worden sind, sondern um das schnell schlagende Herz eingehüllt in der Wärme des Partners.

Blumen im Herzen und die Gießkanne in der Hand

Die beiden Brüder Matti und Jakob Bruckner sind Bastler. Sie schnippeln Sounds aus ihrem Umfeld zusammen, fangen die Gefühle ein, die in der Luft liegen und verpacken das Ganze in einen Roadtrip, der die verschiedensten Genres von Indie-Pop bis zu Indie-Rock abklappert, ohne Mainstream zu wirken. Songs zwischen Prokrastination und Zweisamkeit – Bruckner schreiben auf ihrem Debüt-Album „Hier“ über das, was unsere Generation empfindet und verstecken mitten in den mit einem euphorischen und gutmütigen Klangteppich geschmückten Zeilen gesellschaftliche Missstände. Weiterlesen→

Einmal zum Mitfühlen, bitte

Die zweite EP der Band JEREMIAS trägt den Titel „alma“ und offenbart einen Einblick in die Seele der jungen Musiker aus Hannover. Zwischen funkigen Instrumentals, leiser Melancholie und tanzbaren Disco-Melodien erzählt das Quartett mit ausgereiften Harmonien und einem Sound, der geprägt ist von Dynamik und Details im minimalistischen Stil von der Liebe. Weiterlesen→

Pinke Melancholie

Auf der „Blitz“ EP reflektiert BLINKER veraltete Rollenbilder, verbogene Perspektiven und schonungslose Antriebslosigkeit. Realitätsnah geht die kurze Reise vorbei an Clubtoiletten, überdramatisiertem Drogenkonsum und dem Gefühl, nicht gut genug sein. Am Ende hat er gelernt, zu sich selbst zu stehen und ist vielleicht der talentierteste deutsche Songwriter, wenn es darum geht, Gefühle zu beschreiben und Worte aneinanderzureihen. Weiterlesen→

Schlummer-Taste aktivieren und liegen bleiben

„Frühlingsdepression“ der Band Soeckers ist einer dieser Momente, in denen man sich nichts mehr wünscht, als dass die Welt sich einfach mal ein bisschen langsamer dreht. Der melancholisch-euphorische Song mischt vielseitige Klangfarben unter entkräftete Zeilen und das Gefühl, für immer liegen bleiben zu wollen. Die ausdrucksstarke Stimme brennt in der Seele, während die Melodien immer lauter werden und drohen, zu ertrinken. Weiterlesen→

Eingepacktes Fernweh und verstaubte Erinnerungen

Zwischen melancholischen Erinnerungen, politischen Aussagen und Gefühlen versteckt in den sorgfältig gewählten Zeilen nehmen „Reisegruppe Sued“ auf ihrem neuen Album „Leuchtsignal“ mit auf eine sehnsuchtsvolle Reise durch Geschichten aus dem eigenen Umfeld und Momentaufnahmen. Euphorische Klänge gehen einher mit melancholischen Zeilen, während der Sound an ein heiß brennendes Lagerfeuer vor großen Sonnenuntergängen erinnert. Weiterlesen→

Impulsive Klänge Künstlicher Intelligenz

Passend zur Story erinnert der Sound in „The Journey“ an explodierende Galaxien und eine alles umgebende Schwärze, macht sich energiegeladen laut und ist bis zum Ansatz vollgestopft mit facettenreichen Einflüssen. Bei „Lucy Dreams“ handelt es sich aber nicht einfach um einen x-beliebigen Künstler – dahinter steckt das Produzentenduo dp, das mit der eigenen Künstlichen Intelligenz „Lucy“ zwischen Einsen und Nullen einen neuen Sound in die Welt trägt. Es scheint fast so, als ob Mensch und Maschine durch die Musik aneinander geknüpft worden sind und ineinander übergehen, auf einer Reise mit ungeahntem Ausgang. Weiterlesen→

Waghalsige Träume und vertrocknete Blumen

Auf ihrer Debüt-EP „Caprino“ bestechen „A Story For Reflection“ mit melancholischen Fernwehklängen und stimmungsvollem Indie-Rock. Verpasste Chancen, unerfüllte Wünsche, aber auch sonnengefüllte Gedanken und Leichtigkeit finden Platz zwischen harmonischen Akkorden, forderndem Drumming und euphorischen Trompeten sowie Posaunen. Der Sound erinnert an Tage, an denen bunte Blätter bedacht auf den Boden fallen und sich das Wasser immer langsamer kräuselt und an solche, an denen die Tasse Holunder-Kirsch-Tee in den Händen immer kälter wird, während die Welt langsam wieder hell erstrahlt… Weiterlesen→

Detailverliebter Ausflug in die 80er

Zu dem Song „Vermissen“ der Band PBSL wurde jüngst ein Musikvideo releast, das nur so vor abwechslungsreichen Facetten und Anekdoten an die 80er sprüht – und dabei mit unter anderem einen kommunistischen Diktator, Clownfisch-Ballons, einem grandios nachgestellten berühmt-berüchtigten Fernsehsehauftritt und jeder Menge Melancholie begeistert… Weiterlesen→

Fjasko – Palme am Fenster

Die Debüt-Single des Hip-Hop und Musikproduzenten-Duo Fjasko nennt sich „Palme am Fenster“ und wird geprägt durch selbstreflektierenden Rap, aufbauende Beats und harmonische Gitarrenparts… Weiterlesen→

Leichtigkeit trotz Sehnsucht

„No Hugs“ der Band MVNTIS zieht an mit Leichtigkeit und seiner fröhlichen Ausstrahlung, auch wenn Melancholie hinter jeder Zeile mitschwingt. Das Zurückbleiben in der eigenen Komfortzone, obwohl sich das Herz nach Freiheit im Geist, vertrauter Zweisamkeit und selbstgeschriebenen Liebesliedern sehnt. Der Song kribbelt in den Zehenspitzen und pumpt in freudiger Erwartung des Sommers Adrenalin durch den Körper… Weiterlesen→

Komponierter, Komprimierter und konzentrierter Komfort

Statt Feuerzeugbenzin reduziert auf einige, wesentliche Elemente. Statt der Aufnahme eines 40-minütigen Proberaum-Jams zeigen Holosoma einen kompakten Song, der von Illusionen, Ironie, Flucht und der Frage nach dem digitalen Kosmos erzählen will und sich im gleichen Atemzug freimacht von jeglichen Genrevorschriften… Weiterlesen→

Apaath – Schere Zange Glück

Ein Konzeptalbum, das seinesgleichen sucht. Kunstvoll durchdacht und bis auf die letzte Kleinigkeit feingeschliffen, gespikt mit ehrlichen Melodien und bedrückenden Texten – auf dem Debüt weiß die Band zu begeistern und erzählt Geschichten von fehlender Menschlichkeit, Scheinwahrheiten und Leistungsdruck, der schließlich tödlich endet… Weiterlesen→

VIDEO-PREMIERE: VON FLOCKEN ZEIGEN IN „FIRMAMENT“ DIE FACETTEN DER NACHT

Ein kleiner Roadtrip durch verlassene Strände und Sonnenuntergänge, die vor dem inneren Auge auftauchen. Melancholisches Feeling geht über in grinsende Disco-Beats, der müde Geist streckt sich der Nacht entgegen. Von Flocken laden zum Ankommen ein und machen trotzdem nirgendwo Halt… Weiterlesen→

PICK-UPS VOLLGEPACKT MIT TRÄUMEN

Mal verloren und mal selbstbestimmt gleitet Tom Grennan’s Stimme durch verlassene Wüsten und geschlossene Fenster, setzt sich im Ohr fest und bleibt dort liegen. Und wenn man die Augen ganz fest zusammenkneift, entführt sie mitten in den ganz eigenen ‚Happy Place‘… Weiterlesen→

Über die Angst tanzen

Statt einer Abklatsche des Wohlfühl-Pops bekommt man bei KLAN einen viel tieferen Einblick. Zwischen den Zeilen geht es um die Schönheit im Scheitern, die so natürlich blüht, dass ein jeder sie mit Leichtigkeit einnehmen kann… Weiterlesen→

Improvisierte Stromschnellen

Sinnlich gespielte Klavierklänge, leidenschaftlich leichter Gesang und groovige Drums. Das Publikum wird auf Händen getragen durch einen Strom aus fließendem Glück und euphorische Hymnen im Chorus. Weiterlesen→

In Kreisen drehend

Ein Gefühlswirrwarr zwischen Ausweglosigkeit und Weitermachen, zwischen Euphorie und Melancholie, zwischen Pop und Punk. In Kreisen drehend nicht weiter wissen. Apart From Us neue Single „Push & Pull“ handelt von in Frustration gepackten Streit und Konfrontationen… Weiterlesen→

Zerbrechliche Schmetterlingsgefühle und beseelte Hymnen

Fast verblasst, aber dennoch prägend – um vom Stress runter zu kommen und allen Frust, verschiedenste Ängste und jeglichen Zweifel in die Musik zu legen. Eine einsame Ballerina, zerbrechliche, aber dennoch starke Texte und mitnehmende Melodien. Das sind Raum 27 aus Bremerhaven mit ihrer neuen EP „Traurig aber ist so“… Weiterlesen→