Kraftklub erfüllen auf ihrer Tour alle meine Erwartungen. Ich bin 23. Auf ungefähr jeder guten Party, auf der ich je war (das waren noch nicht unglaublich viele, Clubsterben und Vereinsamung der GenZ und so), lief mindestens Songs für Liam. War’s eine richtig gute Party, dann auch noch Chemie Chemie Ya und Ich will nicht nach Berlin.
Ich bin also ganz schön spät dran mit Kraftklub. Als 2012 Mit K erschienen ist, war ich in der fünften Klasse und hab’ zu Pokerface im Radio die falschen Lyrics mitgesungen (Englisch konnte ich eben noch nicht so gut – okay?). Mit 15 wusste ich dann, dank meiner Freund:innen, die deutlich cooler waren als ich, dass es Kraftklub gibt. Mit 17 hab ich sie gehört, aber nicht besonders aktiv. Mit 20 hab ich ihre Show auf dem Deichbrand gesehen und war hooked.
Kraftklub sind eine dieser Bands, die live nochmal so viel besser funktionieren. Es ist schon fast absurd. Nach dem Support von Mia Morgan senkt sich langsam das Bühnenbild, in flackerndem Rot erscheint das Album-Logo, das auch schon auf dem Cover zu Sterben in Karl-Marx-Stadt zu sehen ist. Um dieser Menge an Pathos gerecht zu werden, muss man ganz schön abliefern. Aber das kann die Band mit dem K, ohne Probleme. Die Setlist ist, wie zu erwarten, ein Mix: viele alte Hits, viel vom neuen Album. Das habe ich – Asche auf mein Haupt – vorher nicht oft gehört. Überhaupt kenne ich auf keinen Fall alle Songs. So hätte ich auch gar nicht sagen können, ob manche der Tracks neu waren, oder einfach mir unbekannt. Auch wenn es die Band mittlerweile schon eine ganze Weile gibt, haben sie dieses halb-ironische Ich-Bin-Sauer-Auf-Die-Ganze-Welt-Aber-Am-Meisten-Auf-Mich-Selbst, beibehalten. Obwohl das bestimmt ein Symptom von Mitte-Zwanzig-Sein ist, was die Bandmitglieder mittlerweile alle hinter sich gelassen haben, wirkt das nicht krampfhaft.

Dieser Trotz hat 2012 funktioniert, und tut es 2026 auch. Die ganze Show hat sich nach 2014 angefühlt, oder zumindest nach meiner romantisierten Version davon. Das altersmäßig gemischte Publikum tat der Show gut. Die Leute sind ausgelassen, haben gesungen, getanzt und gemosht, ohne sich dabei darum zu scheren, wie sie wahrgenommen werden. Auch wenn die Volkswagen-Halle wirklich den Charme eines Flughafengebäudes hat, emotional bin ich in einem schrammligen, vollgestickerten, nach Bier stinkenden Kellerclub.
So, wie das eben sein soll auf Konzerten.

Teilweise wird das bestimmt einfach daran liegen, dass man irgendwann (hoffentlich) darauf scheißt, was andere denken. Manchmal habe ich aber Angst, dass wir alle – mich eingeschlossen – zu self-aware sind, nicht einfach mal loslassen können. Dadurch, dass die Bandmitglieder den ganzen Quatsch schon eine ganze Weile machen und nicht so viele Fucks geben, eröffnen sie dem Publikum den Raum, das auch zu tun
– wenn man nicht vorher an den Unmengen Papier aus der Konfettikanone erstickt.
Fotos: Elie Mück
Text: Joline Weniger